2011

3. Grenzgänger Theatertage

12. bis 21. Oktober

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Theater Apropos · München: Unterwegs nach Utopia. Ein Zwischenstopp | Theater Klabauter · Hamburg: Crazy SommerNACHTsTRAUM | TheaterAtelier · München: Morgen ist heute schon gestern | Theater Thikwa · Berlin: Kafka am Sprachrand | Theater Kraud & Ruam · Alkoven OÖ: ‘s Keazzal | Konzert: Musikschulgang Vollgas · Fürth | Workshop: THEATERSPIELEN mit Urte Gudian

Presseschau

Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2011
Kein Patient sein
Du kriechst, er geht. Du gehst, er läuft. Du läufst, er fliegt. Immer einer begabter als du. Du liest, er lernt. Du lernst, er forscht. Du forschst, er findet. Einer immer noch begabter! Zeilen von Robert Gernhardt aus „Unterwegs nach Utopia“ nach Thomas Morus‘ gleichnamigem Werk, aufgeführt von dem Theater Apropos im Rahmen der dritten Grenzgänger Theatertage in München. Ein integratives Festival, das Laientheatergruppen mit seelischen oder körperlichen Erkrankungen unterstützt.
Das Apropos Theater wurde 1998 von Hans Lauter, dem ehemaligen Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Rechts der Isar, gegründet. Die Idee dahinter? Das Theater als therapiefreier Raum. Für ein paar Stunden kein Patient, kein Therapeut sein. Sich und anderen auf der Bühne ungezwungen begegnen. Dabei sind die persönlichen Krankheiten nicht von Bedeutung, ganz im Gegenteil, sie können die Rolle sogar liebenswert machen, unverwechselbar. „Ich habe ein Herzleiden. Nachdem ich die Diagnose bekam, wurden Ärzte zu meinen Feinden. Das Schöne an diesem Projekt ist, ein Teamgefühl zu entwickeln, zusammen eine Geschichte zu erzählen“, erklärt eine der zehn Darstellerinnen, die gemeinsam mit den Anderen in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Künstlerisch geleitet wird die Theatergruppe von den Regisseuren Anette Spola und Rudolf Vogel. Sie begleiteten Morus‘ „Loosergruppe“ auf der Suche nach dem „Endlager“.
In der heutigen Vorstellung „´s Keazzal“ dreht sich das Ensemble Kraud & Ruam im Liebeskarussell. Denn die Mizzi ist in Prinz Rudi verliebt, der sein Herz aber der Rosl schenkt, die es doch gar nicht will. „Das Schönste am Ende eines Theaterstücks ist, dass wir gestaunt haben, ja überrumpelt wurden und leichten Schrittes in die Nacht schreiten“, schwärmt Anette Spola.
mels

Applaus, Oktober 2011
Integratives Festival
Die Grenzgänger-Theatertage versammeln Theatergruppen, deren Darsteller geistig, seelisch oder körperlich behindert sind. Sie sind professionelle Kulturschaffende, zeigen sich selbstbewusst und machen ihre Defizite als Stärke erlebbar. Unter der Leitung von Anette Spola und Rudolf Vogel eröftnet das „Theater Apropos“ mit „Unterwegs nach Utopia.Ein Zwischenstopp“ das integrative Festival: Allesamt Loser in ihrem bisherigen Leben, unternehmen sie gemeinsam die Reise ins Ungewisse, frei nach dem Motto „Was Besseres als den Tod finden wir überall“. Das Stück verbindet Motive der Bremer Stadtmusikanten mit dem Gesellschaftsmodell des Thomas Morus und persönlichen Erfahrungen der Darstellerlnnen. Es folgen Gastspiele aus München, Fürth, Hamburg, Berlin und Alkoven/OÖ.

Süddeutsche Zeitung, 18. Oktober 2011
Kafkaeske Miniaturen
Vierzehn ausgewählte Erzählungen von Franz Kafka bilden die Textgrundlage für szenische Miniaturen sonderbarer Zustände und grotesker Stimmungen in dem Stück „Kafka am Sprachrand“: Ein Drahtseilakt für vier hoffnungsvoll überforderte Clowns, die Kafka statt ins Herz auch schon mal in eine Plastiktüte schließen. So entwickeln die unterschiedlich sprachfähigen und sprechwilligen Schauspieler unter der Regie von Dominik Bender & Anke Mo Schäfer ein unberechenbares Spiel aus merkwürdigen Begegnungen, die unerwartete Einblicke in ihre, unsere und Kafkas Welt erlauben. Im Rahmen der „Grenzgänger Theatertage“ zeigt das TamS-Theater am heutigen Dienstag die Produktion des Theaters Thikwa aus Berlin, die von Schauspielern mit und ohne Behinderung gemeinsam erarbeitet wurde.

 

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